Klarmachen zum Kentern?

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Klarmachen zum Kentern
oder
Zwitscher-Schule und Zensur für alle politischen Lautsprecher?!

Die gestrigen Landtagswahlen in Niedersachsen haben den Piraten eine schallende Ohrfeige verpasst. Denn es gab sicher auch in diesem Bundesland mehr als genügend Wähler, die mit dem Einheitsbrei der etablierten Parteien nicht einverstanden sind und frischen Wind wählen wollten. Nur… dass der Wähler, bei aller Lust auf Veränderung, dann doch nicht bereit ist, eine Horde ungezogener Bengel mit dem Dienst am Bürger zu beauftragen. Natürlich sind damit eigentlich nicht die meisten hart arbeitenden Piraten gemeint, die in ihren Wahlkreisen angetreten sind. Aber eine unbeugsame Gruppe politischer Ignoranten und Idioten innerhalb der Partei hat es in den vergangenen Monaten geschafft, die Piratenpartei als einen wilden Haufen von Dummschwätzern hinzustellen.

Die Piratenpartei scheitert derzeit gerade an ihrer armseligen Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit. Was nutzt das schönste, mühsam erarbeitete Parteiprogramm, wenn die Wähler den Eindruck haben müssen, dass sie mit ihrer Stimme ein paar ungehobelte Lümmel in die Landtage befördern, die noch nicht einmal die deutsche Rechtschreibung einigermassen beherrschen.

Ein guter Teil dieser politischen Emporkömmlinge meint wohl, „Kandidatengrillen“, Meinungsfreiheit und „Transparenz“ seien gleich bedeutend mit dem Recht auf das exzessive Formulieren unverschämter, kindischer Beleidigungen gegen den politischen Feind in den eigenen Reihen. Da werden via Twitter ehrenwerte Männer und Frauen als Prostituierte oder halbtote Spinner bezeichnet. Da raufen sich im Vorfeld von Aufstellungsversammlungen die Horden im Netz zusammen, um einzelne Kandidaten für Landeslisten durchfallen zu lassen. Irgendeiner recherchiert schlampig ein paar Leichen unter dem Sofa eines Abgeordneten in spe, dann werden diese widerlichen Halbwahrheiten möglichst aggressiv und natürlich online und „in Echtzeit“ verbreitet, teilweise sogar auf Videoleinwand im Hintergrund eines Redners, um diesen der Lächerlichkeit preis zu geben. Am Ende werden Kandidaten von einem lynchenden Mob vom Hof gejagt, deren Kompetenz und Sachverstand von keinem dieser Halbstarken Primaten auch nur irgendwie beurteilt worden ist. Und auch kaum beurteilt werden kann. Es scheint, als würden sich grosse Schnauze und kleines Hirn für viele, überwiegend sehr junge, Piraten auszahlen. Nur dass der Wähler dank der begrüssenswert offenen Strukturen innerhalb der Piratenpartei eben sehr viel von den Stinksocken zu riechen bekommt, die da diensteifrig durch die Gegend geschleudert werden.

Diese grössenwahnsinnigen Shitstürmer sind die wahren Auslöser des Debakels der Piraten in Niedersachsen. Die unflätige Twitterei führt zu einem desaströsen Bild des Durchschnittspiraten in der Öffentlichkeit: Nerd mit dicken Brillengläsern und blasser Haut, um den Rechner in der unaufgeräumten Bude herum liegen Pizzaschachteln und Bierdosen, der Protagonist selbst hängt in seiner ungewaschenen Jeans mindestens nasebohrend und leicht angetrunken auf dem Stuhl und tippt mit unheimlicher Geschwindigkeit einen Haufen dummes Zeug in die Tasten. Danach wankt er ins Bett, nicht ohne vorher noch einmal im Spiegel die fette Locke aus dem Gesicht zu streichen und sich als junger, erfolgreicher Politiker auf die Schulter zu klopfen.

Auch der vehementeste Befürworter einer frischen, neuen Politik in unserem Lande braucht solch einen Abschaum nicht in den Parlamenten!

In Niedersachsen gab es, wie in jedem anderen Bundesland auch, genügend Potential, um die Piraten an die 10% heranzubringen. Aber nur 2 Prozent sind es geworden, daraus ist zu schliessen, dass sogar echte Anhänger der Piraten lieber zu Hause geblieben sind, als einer Partei die Stimme zu geben, die sich derzeit vor allem durch schlechtes Benehmen ins Rampenlicht stellt.

Bei aller Meinungsfreiheit: Politiker sind Repräsentanten des Volkes und damit in der Pflicht, ihre eigene Meinung in einem Ton zu verbreiten, der eine gewisse Reife und Kompetenz verrät. Jeder Nachwuchspolitiker, der etwas zu sagen haben möchte, sollte doch zumindest einen Duden im Regal stehen haben und seine Fäkalien dort ablegen, wo sie hingehören, nicht aber im Netz.

Maulkörbe zu verteilen an Parteimitglieder, die dem Ansehen der Partei nachhaltig schaden, steht nicht im Gegensatz zu den Prinzipien von Transparenz und Meinungsfreiheit!

Die neue politische Kultur, die wir Piraten gerne herausstellen, würde keineswegs beschnitten, wenn wir uns intern dann eben doch Gedanken über klare Regeln und Sanktionierungen, ja auch über Zensur machen. Zensur keinesfalls sachbezogen, aber in aller Härte gegenüber denjenigen, die unser Image durch ihr ungebildetes, unreflektiertes und unanständiges Gesabber beschädigen.

Und komme nun niemand mit dem schönen Begriff des „Trollens“ und dass man diese Menschen nicht zensieren dürfe: Denn auch ein Troll kann während seiner gezielten und meinetwegen auch scharfzüngigen Versuche, andere aus ihrer Reserve zu locken und so zu einer lebhaften Debatte beizutragen, dennoch der mitlesenden Öffentlichkeit zeigen, dass er so viel Grips, Bildung und gesunden Menschenverstand besitzt, wie man es für die Ausübung politischer Ämter eben benötigt.

Das Image der Piraten in Deutschland ist stark beschädigt: Jeder, der uns sowieso nichts zugetraut hat, bekommt Oberwasser, wenn der nächste Shitstorm gegen den eigenen Parteifreund mal wieder ausgeufert ist. Nur weil ein paar Bauernlümmel mit Hang zum Grössenwahn gute Diskussionen mit ihrem armseligen Gequatsche torpedieren und weil die Basis dies immer noch tolerieren möchte, um Meinungsfreiheit zu garantieren. Seriöse politische Arbeit sieht anders aus, und viele engagierte Parteimitglieder, die sich dem politischen Wandel verschrieben haben, werden von den unverschämten Formulierungen der Pickelgesichter bald schon aus der Partei getrieben. Wenn unzählige Stunden wertvoller Parteiarbeit dank der internen Querelen unter der Gürtellinie ad absurdum geführt werden, dann gehört eine erfolgversprechende Idee namens „Piratenpartei“ bald der Vergangenheit an.

Klarmachen zum Ändern. An fast allen Fronten, aber sicher nicht in der Frage des guten Benehmens. Herr Knigge ist auch im 21. Jahrhundert durchaus lesenswert, bzw. Standardlektüre für junge Wilde. Und dann ganz einfach: Wer dem Ansehen der Partei in der Öffentlichkeit schadet, wird entfernt.

Nur durch entsprechend deutliche Massnahmen kann dem deutschen Wähler klar gemacht werden, dass die Piraten es ernst meinen mit ihrer politischen Verantwortung!

2 Kommentare

  1. diogenuss sagt:

    In eigener Sache:

    Kommentare, die nicht unmittelbar zum Thema gehören, werden auf diesen Seiten ohne Rückmitteilung abgelehnt.

    Die von mir oben angeregte Zensur findet hier auf jeden Fall statt, denn es ist Zeit verschwendend und ausserordentlich langweilig, sich mit Kommentatoren auseinanderzusetzen, die sich selbst ungebührlich mit der Person des bloggers oder anderen für die Sache irrelevanten Personen und Sachverhalten befassen, aber keine Meinung zum eigentlichen Thema zu haben scheinen.

    Das Internet ist ein Tummelplatz von Vielen, diese Seite hier ist ein Forum für konstruktive und sachliche Diskussion und ausschliesslich Kommentatoren vorbehalten, die dies auch verstehen und beherzigen!

    Wer diese einfachen Regeln wiederholt nicht respektiert, riskiert unter Umständen eine Anzeige wegen Nachstellung, beispielsweise gemäss § 238 StGB.

  2. Ob mit Shitstorms die wichtige Forderung der Piraten auf größtmögliche Transparenz zu erfüllen ist, darf stark bezweifelt werden. Als bekennender Pirat bin ich von der Notwendigkeit überzeugt, dass wir mit unserer Partei positive Kraft für die Erneuerung der Demokratie sein können und sein sollten. Dazu passen aber keine Diskriminierung und Herabwürdigung einer Person, wie es mir passiert ist. Zugleich haben dümmliche und beleidigende Kommentare zu den Aussagen meiner Homepage viele meiner Bekannten z.B. in Niedersachsen dazu geführt, die Piraten nicht zu wählen. Auch meine Bekannten bei den “Grünen” in Berlin haben mit Freude zur Kenntnis genommen, wieviele Ignoranten es bei uns gibt, die zwangsläufig den anderen Parteien Wähler zutreiben.

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