Geschmacklose Selbstdarstellung der Piratenpartei in der Öffentlichkeit: “Alterspräsident” in spe wird wegen abweichender Lebenseinstellung vom Hof gejagt

Hans Herwart Albers

Ein "Sektenführer" mit devotem Groupie? Nein, ein ehrenwerter Grossvater mit Enkeltochter

Ein Wochenende im Oktober 2012. Die Piratenpartei Bayern, deren Anhänger und Mitglied ich seit geraumer Zeit bin, kürt ihre Repräsentanten für die Bundestagswahl 2013 im Rahmen der “Aufstellungsversammlung BTW 2013, Bayerische Landesliste der Piraten”.

Mittendrin in dieser Veranstaltung, die bei Twitter unter #blaby kommentiert wird: Hans Herwart Albers, sage und schreibe 79 Jahre jung, als Kandidat für die Landesliste, als möglicher “Alterspräsident” im Bundestag und als “Piratenopa” vielleicht genau der Mann, der für eine ganze Menge Stimmen aus den Reihen der Senioren für die sonst eher “jugendliche” Piratenpartei sorgen könnte.

Er hält eine Rede und die Versammelten sind angetan von diesem älteren Herrn, der sich zwar nicht mit Piratenthemen wie Urhebergesetz oder Drogenpolitik auskennt, jedoch seine Erfahrung als Unternehmensberater und eine gute Menge Charisma in den Ring wirft. Die bayerischen Piraten wählen ihn bei einer Vorwahl und – noch – vorurteilsfrei auf einen beeindruckenden 4. Listenplatz, eine gute Chance, sich am darauffolgenden Sonntag um einen der begehrten vorderen Plätze auf der Landesliste für den Bundestag zu bewerben.

Da er es im Vorfeld der Veranstaltung versäumt hat, sich und seine Vita transparent in den entsprechenden “Piratenwiki” darzustellen, suchen die Wähler über Nacht im Netz ein paar Informationen über den netten alten Herrn, und finden diese. Was danach passiert, ist eine beispiellose Demontage eines seriösen Mannes, nur aufgrund eines kleinen Mankos: Er bekennt sich auf privaten Webseiten nämlich dazu, als Unternehmensberater auch mit Hilfe astrologischer Kenntnisse gearbeitet zu haben.

Der nachfolgende offene Brief an die Piraten zu den Vorgängen rund um das Wochenende der Aufstellungsversammlung stellt meine subjektive Sicht auf

- die in meinen Augen höchst unprofessionelle Selbstdarstellung der Piraten in der Öffentlichkeit (Twitter…) und
- einen “shitstorm” unter der Gürtellinie gegenüber einem Menschen mit vom mainstream abweichendem “way of life” dar

und soll die Interessierten etwas ausführlicher informieren, als es in den 140 Twitter-Zeichen möglich ist. Ausserdem soll dies als Rehabilitation für einen Mann, meinen Vater Hans Herwart Albers, dienen, der Beleidigungen hinnehmen musste, die in dieser Form kaum vom Bundesvorstand der Piraten und auch sonst von keinem ernst zu nehmenden Politiker gutzuheissen sein dürfte!

Lanzarote, den 22.10.2012
Diogenes von der Töss / aka Bernhard Albers

****************

Liebe Piraten,

ich moechte mich zu einigen Vorkommnissen am Rande der Aufstellungsversammlung BTW 2013, Bayerische Landesliste der Piraten aeussern.

Zur Einordnung meiner, selbstverstaendlich zum Teil sehr subjektiven, Meinung, die ich in den folgenden Absaetzen vertrete, sei kurz ueber mich selbst zu erwaehnen:

Ich heisse Diogenes von der Toess, offiziell eingetragener Kuenstlername, mit buergerlichem Namen Bernhard Albers. Ich bin 43 Jahre alt, bekennendes ja enthusiastisches Mitglied der Piraten seit einigen Monaten (euer facebook-Beauftragter BEN hatte haeufiger dort mit mir zu tun), wohnhaft auf Lanzarote und Sohn von Hans Herwart Albers.

Dieser Hans Herwart Albers hatte sich fuer die Landesliste der Piraten beworben, wollte als Alterspraesident im Bundestag mithelfen, den Piraten wichtige Waehlerstimmen einer Zielgruppe zu sichern, die nicht gerade im bisherigen Fokus des Piratenprogrammes stand. Ich selbst habe ihn in den vergangenen Monaten zu einer Kandidatur ermuntert. Habe angeregt, dass er sich gut vorbereitet und das Programm der Piraten verinnerlicht, um dann, in einem gemeinschaftlichen Miteinander zwischen jung und alt, dafuer zu sorgen, dass sich dringend notwendige Aenderungen in der deutschen Politik auch dank seiner aktiven Mithilfe ergeben.

Leider hat sich dies nicht realisieren lassen und ich moechte meine Sicht der Zusammenhaenge, auch dank exklusiver intimer Kenntnis der Ambitionen und Intentionen des Herrn Albers, so kurz wie moeglich darstellen, denn ich bin ueber die Art und Weise, wie innerhalb der Piraten offenbar miteinander umgegangen wird, ehrlich bestuerzt!

Hans Herwart Albers hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Er war etwas lendenlahm und hat sich nicht in die verwirrende Piraten-Matrix eingeklinkt, was fuer einen Kandidaten fuer den Bundestag jedoch dringend erforderlich gewesen waere! Er war so einfaeltig zu glauben, man koenne mal schnell in die Partei eintreten und sich von einem Haufen junger Kerle auf die Landesliste setzen lassen, nur aufgrund der fixen Idee, die Partei koenne dann mit Hilfe ihres Alterspraesidenten den deutschen Bundestag medienwirksam entern bzw. seine Altersklasse fuer die Piraten begeistern!

Es war vielleicht sogar ein bisschen respektlos den anderen Kandidaten gegenueber, die sich monatelang auf Sachfragen vorbereitet hatten. Die sich dem Kandidatengrill stellten, sich ins Wiki eintrugen und in akribischer Kleinstarbeit auf ihre grosse Aufgabe im Bundestag einrichteten. Stattdessen setzte er lediglich auf seine Lebenserfahrung und Vergangenheit als Geschaeftsfuehrer und Unternehmensberater und war offenbar tatsaechlich der Meinung, man koenne eine ernst zu nehmende Partei im Sturm von sich selbst begeistern, ohne mindestens das Parteiprogramm ausreichend zu studieren.

Dies alles kann man dem Kandidaten Albers vorwerfen, der nach seiner durchaus substantiellen Rede vor dem Aufstellungsparteitag am Samstag ploetzlich als “Alterspraesident der Herzen” im Rampenlicht stand.

Leider wusste keiner der Waehler irgendetwas ueber diesen Mann, da er sich in keinster Weise mit den Mitteln der Transparenz vertraut gemacht hatte, die die Piraten anbieten. Also wurden die Waehler ueber Nacht selbst aktiv und suchten und suchten nach Informationen ueber den vernuenftig klingenden “Piratenopa” mit seiner charmanten und durchaus einleuchtenden Idee.

Was man an Information ueber ihn fand, war mehr als duerftig – was man dann jedoch aus diesen Informationen machte, war nur noch armselig. 

Ohne eigenes Zutun wurde aus dem eben noch dank seiner Rede und seiner Ausstrahlung geliebten Waehlerstimmenbringer ploetzlich der verabscheuenswuerdige “Sektenfuehrer”.

Es fand sich ein link zu einer astrologischen Gesellschaft in der Schweiz sowie sein Angebot als UnternehmerBerater auf einer privaten Webseite.

Aber schon dieses Angebot bzw. die dahinter stehenden Informationen wurden kaum noch wahr genommen, denn das Piraten-Inquisitionskommitee hatte sich bereits auf den “Astrologen” eingeschossen, und den stumpfsinnigen, oberflaechlichen Mist ueber den 79-jaehrigen Herrn bereits in alle Winde hinausgetwittert.

So stellen sich einzelne Piraten das Miteinander mit anderen Mitgliedern vor...

...und verbreiten gleichzeitig Weisheiten, die fuer die eigene Person nicht zu gelten scheinen

(eine Aufstellung sehr bemerkenswerter Aussagen dieses Aushaengeschildes der Piraten Neukoelln namens M. Zaech aka @DudeMinds findet ihr am Ende des Artikels)

Was nun folgte, war mittelalterliche Hexenverbrennung erster Guete. Ich erspare das Auflisten von Einzelheiten, den shitstorm weit unter der Guertellinie zu Lasten eines ehrenwerten Mannes koennen alle schoen transparent in den diversen Medien nachlesen, die von den Piraten eifrig frequentiert werden, waehrend sie doch eigentlich ihre Arbeit im Parteitag erledigen, oder doch zumindest den Anwesenden zuhoeren sollten.

Mich erinnert das an unreife Gymnasiasten, die sich im Unterricht gegenseitig Zettelchen mit “Martin ist ein Wichser” zustecken anstatt dem Lehrer und seinen Ausfuehrungen ueber den Dreisatz ordentlich zuzuhoeren.

Und solchen selbstverliebten Bashern, die nichts besseres zu tun haben als sich in aller Oeffentlichkeit, von Twitter auf banale paar Worte begrenzt, ueber #esoscheiss, #esospinner und aehnlich beleidigenden Mist auslassen anstatt den Sachfragen auf ihrem Parteitag Sinn zu geben, soll irgendjemand ernsthaft seine Stimme fuer den Bundestag geben? Leuten, die selbst auf die ersten 10 Listenplaetze gewaehlt wurden und im selben Atemzug auf BILD-Niveau twittern, der Herr Albers haette als Astrologe doch den Ausgang der Bundestagswahl 2013 bereits mitbringen muessen, er habe die Arschkarte gezogen oder in sein “Horrorskop” blicken duerfen? Wortspiele, die RTL an Peinlichkeit kaum ueberbieten kann?

Und, nicht zu vergessen, die dahinter steckende Arroganz der Piraten, diese Laecherlichkeiten in die Öffentlichkeit raus zu twittern, wohl wissend, dass auch Albers selber dieses Medium sehr wohl zu nutzen weiss und all diese Statements spaeter lesen wuerde?

Ist das die vielbesungene Transparenz der Piraten, die sie dazu ermuntert, Kommentare abzulassen, die selbst in der 9. Klasse Hauptschule auf den Index gehoeren? Koennen sich die Piraten als ernst zu nehmende Politiker wirklich mit solchen beschaemenden Aussagen identifizieren, ohne sich selbst eingestehen zu muessen, dass sie zum Staatsmann nicht taugen? Ist dies der “neue Politikstil”, dem die Waehler dieses Landes ihre Stimme geben sollen, damit sie klarmachen zum Aendern? Heisst es, das Respektlosigkeit und Oberflaechlichkeit in die Politik einziehen, wenn die Piraten in die Landtage und den Bundestag einziehen?

Nichts mehr sachlich zu lesen war von den Ideen des Herrn Albers. Zugegeben hatte er kein wirkliches Programm und vielleicht haben sich viele Piraten auch nur daher auf Astrologie und Esoterik gestuerzt, weil eben sonst kaum eine Information vorhanden war ueber den eben-noch-Alterspraesident-der-Herzen. Und natuerlich muss man auf Bundesebene darueber nachdenken, ob ein Mann mit einer Vita als astrologisch inspirierter Lebensberater in den Medien zum Wohle der Partei beitraegt oder dem Image schaden koennte. Geschenkt. Wenn man wie kleine Maedchen, die zu ihrer Clique dazu gehoeren wollen, aus ANgst vor Aussenseitertum lieber dem mainstream hinterherläuft, dann kann man Herrn Albers wahrlich nicht waehlen.

Dennoch: 40 Jahre gewissenhafte Ausfuehrung diverser komplizierter Arbeiten als Geschaeftsfuehrer, viele Jahre Mediation und Friedensstiftung in diversen Problemsituationen an Konzernspitzen, eine ehrlich gemeinte Zuneigung zu den Piraten und ihren neuen Ideen uvm. waren ploetzlich nicht mehr erwaehnenswert, da die arrogante Horde ihre peinlichen, unreifen Statements ueber Homoeopathie und Anderes oeffentlich ablassen konnte und genau denselben Eiertanz auffuehrte, den sie den etablierten Parteien wegen 2 Gramm Gras im Beutel eines Piraten vorwerfen? Man frage mal einen kiffenden Piraten, wie der sich fühlt, wenn man ihm nur wegen seiner privaten Vorliebe vorwirft, er könne keine Politik machen oder er schade dem Image der Partei… .

Ach, und ich vergass ganz die Tatsache, dass auf #blaby stundenlang und teilweise ebenfalls unter der Gürtellinie ueber eine Frauenquote rumgezwitschert wurde anstatt sich Gedanken ueber die notwendigen Sachfragen zu machen. Laecherlich, und im Falle eines Einzuges der Piraten in den Bundestag eine Verschwendung von Steuergeldern, euch dann gut bezahlten Abgeordneten auch nur den Strom fuer eure Laptops bereit zu stellen. Schon jetzt fragt sich die deutsche Oeffentlichkeit nicht zu Unrecht, was ihr denn alle auf euren Geräten herumhackt waehrend einer Sitzung, bei der man auch mal zuhoeren koennte. Naja, nun wissen wirs ja alle: Es wird ein Wettbewerb darueber ausgetragen, wer das fieseste Statement ueber Person X aus seinem literarischen Fundus herauskramt und Millionen Menschen zugaenglich macht.

Liebe Piraten, wenn ihr euch dergestalt in der Oeffentlichkeit praesentiert, wenn ihr nicht in der Lage seid, bei euren tollen shitstorms einen gewissen guten Ton zu wahren, wenn ihr genauso wie die etablierten Parteien (und wie die Kindergartenkinder) einen Menschen auf ein-zwei kritisierbare Begriffe reduziert und euch vernetzt dann nur noch anschaut, wer am schoensten bashen kann, dann seid ihr keine einzige Waehlerstimme in diesem Lande wert. Ihr nehmt fuer euch in Anspruch, das Netz verstanden zu haben und virtuos mit den neuen Kommunikationsformen umzugehen, aber gleichzeitig scheint es euch egal zu sein, dass Otto Normalverbraucher eure beschaemenden Tweets und duemmliches Gelaber frei zugaenglich im Netz verfolgen und sich so ein Bild von Eurem Respekt und eurer Allgemeinsbildung machen kann?

Ein armseliges Bild habt ihr daher abgegeben rund um diesen Parteitag. Das Bild eines Huehnerhaufens mit ein paar selbstverliebten Gockeln obenauf. Und alle picken sich gegenseitig die Koerner vor der Nase weg und der Hahn der am lautesten schreit kriegt die meisten Huehner… . Ihr solltet euch fragen, ob dies wirklich der neue, waehlenswerte Politikstil ist, Menschen in Echtzeit und vor der ganzen Netzgemeinde billig zu beschimpfen und Stunden dafuer zu opfern, unsachliche, peinliche Diskussionen zu fuehren. Einer eurer Mitstreiter hatte auf Twitter eine geschagene Stunde lang nichts besseres zu tun, als mit gefuehlten 100 Tweets den #blaby vollzuspammen, dass man die gewaehlte Liste doch ablehnen moege. Biliger gehts nicht. 

Wenn ihr dieses Bild weiterhin an die Oeffentlichkeit tragt wird es bald vorbei sein mit dem Stimmungshoch. Das Niveau, auf dem ihr euch intern zerfleischt, Transparenz und harte oeffentliche Debatte in allen Ehren, wird den Waehlern nicht verborgen bleiben. Vor allem dann nicht, wenn ihr euch im Glanze dieser zum Himmel stinkenden Respektlosigkeiten auch noch zu sonnen scheint.

Ich bin vor ein paar Monaten in eine Partei eingetreten und habe sie mit meinem Mitgliedsbeitrag unterstuetzt, obwohl ich aus Deutschland ausgewandert bin und von Lanzarote aus kaum Einfluss auf deutsche Politik nehmen kann und werde. Dennoch betrachtete ich meinen Eintritt als symbolische Geste der Unterstuetzung fuer eine gute Sache. Nachdem nun die Realitaet offen zu Tage getreten ist, naemlich dass unter dem Deckmaentelchen der Transparenz saemtliche Regeln des guten Benehmens ueber den Haufen geworfen werden duerfen, reiche ich wohl umgehend mein Austrittsgesuch ein, es sei denn, einige Verantwortliche überdenken, ebenfalls in der Öffentlichkeit, ihre peinlichen Bemerkungen und die Piraten einigen sich intern darauf, dass solche Beleidigungen in Zukunft nicht mehr vorkommen.
Und dieser Austritt geschähe dann, man moege es mir glauben, eigentlich schweren Herzens. Denn die Programme und Ideen der Piraten sind gut. Allerdings nur so gut, wie die Menschen, die dahinter stehen, Format besitzen. Dieses Format konnte man waehrend der Hexenverbrennung Albers in keinster Weise erkennen.

*Noch ein kurzer Nachtrag zum Thema Esoterik, Astrologie, “Menschenkunde auf Basis altaegyptischer Weisheit” (ein Lieblings”hobby” meines Vaters) uvm.

(dieses Thema habe ich bewusst ausgeklammert, da vernuenftige bzw. sachliche Diskussionen darueber offenbar mit den Wenigsten gefuehrt werden koennen):

Es mag sein dass wissenschaftlich nicht Belegbares ein schlechtes Licht auf einen Politiker wirft und es daher einen Imageschaden nach sich ziehen koennte, einen solchen Menschen an der Spitze einer Partei zu fuehren. Andererseits stehen doch gerade die Piraten fuer einen Meinungspluralismus, der auch eine Hinwendung zu derartigen Themen mit einschliessen sollte. Man mag dazu stehen wie man will, fest steht dass auch serioese wissenschaftlich fundierte Arbeit haeufig nicht viel mit der Realitaet gemein hat und dass wir Menschen uns seit einigen Jahrzehnten auf der Suche nach mehr Wahrheit hinter den schnoeden Zahlen befinden. Stichwort repressive Drogenpolitik, Stichwort unausgegorene milliardenschwere Bankenrettung usw. usw. usw. . Ist es, in Anbetracht der Missstaende unserer etablierten Wissenschaft tatsaechlich so schlimm, wenn ein ernsthafter, serioeser alter Mann auch mit einem Alternativwissen liebaeugelt, jedoch sichtbar fuer alle mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht? Die oben angeprangerten oberflaechlichen Respektlosigkeiten (Sektenfuehrer…) jedenfalls zeichnen ein Bild von grosser Intoleranz und einer Fokussierung auf schnoede Schlagworte, die dem dahinter stehenden Menschen niemals gerecht werden koennen. Ihr Piraten habt alle mit gutem Recht die Nase voll davon, wenn man euch wegen eines Feierabendjoints in die Schmuddelecke stellt, selbst aber zeigt ihr nicht die Spur von Reife und Toleranz, wenn ihr wegen ein bisschen Esoterik am Rande gleich wie alte schwaebische Waschweiber zu keifen beginnt.

(An dieser Stelle noch einige Aussagen des oben bereits erwaehnten Piraten. Immerhin im Ausschuss fuer Integration (!), sowie fuer Bildung, Schule und Kultur der BVV Neukoelln):

diese Aussagen bekraeftigen das Niveau aus der Feder des verantwortlichen Piraten fuer Bildung, Schule und Kultur in Berlin Neukoelln, der seinen Parteifreunden nicht nur in Berlin mit seinen intelligenten Statements sicher noch viel Freude bereiten kann

 

28 Kommentare

  1. Pirat sagt:

    Ich habe es auf dem LPT sehr bedauert das Herr Albers nicht überzeugen konnte.
    Aber nicht nur der Twitter Shitstorm hat ihm geschadet, auch das veröffentlichen dieser teilweise beleidigenden Äusserungen auf der Beamerleinwand.
    (Ich frage mich warum sowas überhaupt sein muss. Wer Twittern will soll es doch mit seinem Smartphone oder Lappi tun. Wozu muss ich es noch auf einer Leinwand live streamen?)

    Ich selber habe, leider erfolglos, versucht Personen auf die Webseite des Herrn Albers hinzuweisen, in der seine Beruflichen Tätigkeiten beschrieben sind. Allein aus diesen erhält man doch ein ganz anders Bild von Ihm.

    Ich hoffe das er nicht aufgibt und hoffe auf sein Antreten bei den Kanditaten zur Bayr. Landtagswahl.

    • diogenuss sagt:

      Vielen Dank für den Hinweis. Ich selbst habe (zum Glück vermutlich) den stream erst eingeschaltet als die Leinwand dies schon nicht mehr zeigte… . Wie gesagt, ich mag nochmals erwähnen dass ich den Artikel auch deshalb veröffentlicht habe, weil ich die Piraten vor einer sehr gefährlichen Art und Weise der Selbstdarstellung warne. Meinem Vater werde ich zum Weitermachen raten – mal abwarten, was hier und auch in seinem Umfeld in den kommenden Tagen passiert!

  2. jan sagt:

    Also es gab auch diejenigen, die von der Hexenverbrennung genervt waren, er hat sich dennoch respektabel geschlagen. Nichtsdestotrotz ist das so nicht in Ordnung und nicht Wünschenswert – verbieten können wir es gar nicht oder nur extrem schwer, wir brauchen eine Kultur in der solche Äußerungen nicht willkommen sind.

    In dubio pro reo möchte ich anmerken, dass es auch Probleme mit dem wahlverfahren gibt, dass die Begünstigung bekannter Personen noch verschärft:
    http://cmrcx.wordpress.com/2012/10/22/die-aufstellungsversammlung-und-das-wahlverfahren/
    Außerdem gilt für viele das Motto “was der Bauer nicht kennt” – frische Kandidaten werden grundsätzlich sehr skeptisch begutachtet, um #Nazigates oder ähnliches zu verhindern. Bei der Vorwahl hatte man mehr Stimmen und hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen – die Experimentierfreude ist dort also höher. Der Effekt, den die Schlammschlacht auf Twitter hatte, ist also sehr schwierig genauer zu beziffern.

    Außerdem gibt es auch viele Piraten die sich mit diesem Problem beschäftigen, such mal nach flauschcon bzw. AG Flausch, da gehts auch um die Shitstorms und wie wir eine vernünftige Diskussionskultur erreichen.

    Die Piraten lernen aus Erfahrung – ich hoffe du hilfst weiterhin mit (wie du mit diesem Post schon getan hast) uns zu verbessern und sprichst Probleme offen an.

    • diogenuss sagt:

      Ja, selbstverständlich habe ich in meinem blog nicht die komplette Bandbreite übersehen und mag auch wirklich niemandem persönlich zu nahe treten, zumal diejenigen die wirklich unter die Gürtellinie schlugen das auch selbst am besten wissen.
      Vielleicht ist dies alles ein Anlass zur Verbesserung – auch meinem Vater “dank” seiner hier eher belächelten Lebenseinstellung wäre es sicher recht, wenn sein Beispiel zumindest dazu führt, dass ein solcher Umgangston bald endgültig der Vergangenheit angehört…

    • diogenuss sagt:

      Hallo nochmals – habe mir Deinen Artikel zum Wahlverfahren und auch Deine Seite im Wiki usw. angeschaut. Ich möchte Dir unbekannterweise das Kompliment machen, dass ich persönlich genau wegen “solcvher Leute” in die Partei eingetreten war. Es ist wichtig, seine Argumente zu formulieren, auch umbequeme und nicht im Trend stehende Meinungen. Es ist gleichzeitig wichtig, gemäss den nicht nur in der Piratenpartei vorhandenen Richtlinien der Vorurteilsfreiheit und Integration zu handeln, insbesondere wenn man in der Öffentlichkeit steht.

      Leider ist meiner Erfahrung nach eine Tendenz zu erkennen, dass offensichtlich viele Piraten ihrer intoleranten und nicht nur darum “gefährlichen” Meinung auf eine Art und Weise Gehör verschaffen, die der Partei schaden wird bzw. die einzelne Menschen auf nicht tolerierbare Art und Weise in irgendeine Ecke stellt.

      Auch ich mit meinem Brief hier stehe mittlerweile schon auf einer Abschussliste von Menschen, die meinem alten Herrn nur aufgrund der Hinwendung zu “alternativer Denkweise” sofort die Nähe zu Nazitum, Antisemitismus etc. unterstellen. Wie weit sind wir dann noch von “Du gehörst dem Islam an, Du bist ein Terrorist” entfernt?

      Das kann nicht gut sein für eine Partei, die sich egrade etabliert. Bei aller Meinungsvielfalt: Politiker in der Öffentlichkeit müssen eine gewisse Etiquette erlernen und durch eine grundsätzliche Schule der Diplomatie gehen.
      Ich kann mir vorstellen, dass viele Piraten, die *schwupps* einfach irgendwohin gewählt wurden, vorher lediglich vor ihren Computern sassen und diese grundsätzlichen Benimmregeln noch nicht verinnerlichen konnten. Das ist, bei aller Liebe für ein gewisses Chaos innerhalb der Partei, nicht hinnehmbar.

      Ich würde dies gerne weiter verfolgen, da ich die Partei durch intolerante Subjekte stark gefährdet sehe. Beispielsweise einen Antrag einreichen, der auf höchster Ebene die Richtlinien zur Darstellung nach aussen diskutiert und festlegt, und sich, wenngleich sicher ungern, auch einmal Gedanken über Sanktionen denjenigen gegenüber macht, die durch ihre Respektlosigkeit und (mindestens) political incorrectness der Partei an sich Schaden zufügen.

      Leider bin ich, nicht so stark wie mein Vater, mit der “Piraten-Matrix” überfordert, da ich als Auswanderer mich zwar mit vielen Themen der Piraten beschäftigt habe, kaum jedoch mit dem System, das mich zum Mitmachen befähigt. Weiss also nicht genau, was in dieser Hinsicht schon geschehen ist, wo und wie man entsprechende Anträge einreicht und “nach vorne bringt”. Hierbei bitte ich um Mithilfe! Vielleicht finde ich auch einen Platz in der Flausch-Debatte. Zunächst möchte ich aber durch ein aktiveres Mitarbeiten auch mich selbst schützen, denn die beschämenden Angriffe unter der Gürtellinie gehen bereits auch auf meine Person los.

  3. Rebecca Wißner sagt:

    Da ich mich durch einen ziemlich unbedachten Twitter-Post (https://twitter.com/angel_on_dragon/status/259978734352871424) doch etwas schuldig fühle, möchte ich gern hier einige Kleinigkeiten klarstellen:

    1. Ich finde, dass Herr Hans Herwart Albers ein unheimlich sympathischer Mensch ist. Ich hätte nichts dagegen gehabt, ihn als Alterpräsident einzusetzen und die Eröffnungsrede zu gönnen.

    2. Ich hab nichts gegen Esoterik. Ich lese gern hin und wieder mein Horoskop – ob ich daran glaube, hängt dann davon ab, wie positiv es ausfällt ;) Der Glaube versetzt bekanntlich Berge, von daher finde ich es nicht schlimm, wenn Menschen durch Methoden geholfen werden kann, die vielleicht nicht wissenschaftlich erwiesen sind. Solang es niemandem schadet, sehe ich persönlich hier überhaupt keine Probleme.

    3. Wie der gute Mann gegrillt wurde, fand ich auch übertrieben. Wenn einem sein Beruf oder das, was er macht, nicht passt, braucht man ihn einfach nur nicht zu wählen. Das habe ich auch während der Befragung bei Twitter gesagt.

    4. Der oben genannte Kommentar ist darauf zurück zu führen, dass ich mich geärgert habe. Erst wird der Mann mit Fragen bombadiert, die eigentlich alle auf Astrologie oder Esoterik darauf abzielen. Es wird bei Twitter geschimpft und so weiter. Doch dann werden ihm mehr Stimmen gegeben als den Frauen, die allesamt kompetent sind.
    Damit meine ich nicht, dass ich ihm die Stimmen nicht gönne – im Gegenteil. Ich habe mich über die Versammlung geärgert, dass sie erst so schimpfen und ihn dann (aus Mitleid?) doch wählen.

    Damit wollte ich niemanden beleidigen. Ich persönlich meinte “Esoopa” nicht einmal negativ – nur 140 Zeichen sind zu wenig Platz.
    Darum möchte ich mich bei jenen entschuldigen, die sich dadurch angegriffen fühlen (außer bei dem Teil, der erst meckert und dann doch wählt, denn die waren gemeint). Ganz besonders aber natürlich bei Hans Herwart Albers.

    Ich schätze ihn, soweit ich das nach der Redezeit beurteilen kann, als Mensch und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.

    Beste Grüße
    Rebecca

    @angel_on_dragon

    • diogenuss sagt:

      Liebe Rebecca,

      ja, nach mehrfachem Lesen Deiner Posts auf Twitter wurde klar, dass es auch die 140 Zeichen sind, die sicher haeufiger zu Missverstaendnissen fuehren.

      Bei allem Charme, den die Wuerze der Kuerze versprueht sollten die Piraten hier auch einmal ueberdenken, ob sie das Twittern so sehr in den Vordergrund stellen muessen, in Anbetracht der Fehler, die beim Umgang mit diesem Medium leicht geschehen koennen!

      Der #esoopa war als Attribut ausserdem noch vergleichsweise niedlich und wird Herrn Albers sicher nicht zu solchem billigen Zorn veranlassen, wie er hier teilweise herausposaunt wird. Wenn ein Schuss esoterische Weisheit in puncto Respekt vor der Meinung Andersdenkender Herrn Albers offenbar gut tut, dann sollten so einige unreife Schreihaelse es vielleicht mal damit versuchen, bevor sie Statements abgeben.

      Diese Statements der verzogenen Luemmel bzw. Luemmelinnen (man beachte die Frauenquote, das hab ich nach schier endlosen ermuedenden Twittereien am Sonntag Nachmittag verinnerlicht :-) ) schaden der Partei massiv, dagegen ist ein moeglicher Imageschaden durch etwas unaufdringliche Sterndeutung wohl eher gering.

      Ein Gruss aus Lanzarote und vielen Dank fuer die Klarstellung!

      Diogenes

  4. Mohs sagt:

    Hi,

    ich habe das ganze nur aus der ferne mitbekommen. Aber ich glaube was einige Piraten auch zu dieser Entladung verleitet hat ist auch eine gewisse Angst vor dem Shitstorm der deutschen Medienwelt. Esoteriker werden schonmal schnell als Rechte verstanden und so ist es möglich, dass deswegen einige bissig wurden. Auch gibt es viele die da schwarzweiß Denken, obwohl sie wissen dass das nicht passt.

    Es gibt bei uns viele bunte Vögel, die es nicht leicht haben (siehe Johannes Ponader). Aber ich glaube das die Probleme die du hier so ausführlich beschreibst kein spezielles Problem der Piraten ist, sondern ein allgemeines Problem der Deutschen im Umgang miteinander. Respekt vor anderen ist hier leider nicht so weit verbreitet. Auch wenn es bei den Piraten “vielleicht” besser ist, als im durchschnitt, heißt das noch lange nicht, dass es schon “gut” oder ok ist.
    Das ist eben auch eine wichtige Aufgabe für die Piraten daran zu arbeiten, also auch an sich selbst.
    Bei den vielen Leuten können wir einfach unmöglich einen Mindeststandard für das Verhalten diktieren.

    Dein Rant wird auf jedenfall in der Partei noch weitere folgen haben, mehr allerdings, wenn du dein Anliegen als Mitglied voran bringst. Ja mir tut es leid, dass sich die Piraten deinem Vater gegenüber respektlos verhalten können. Aber wir brauchen die Partei um die Gesellschaft zu verändern, damit sowas seltener wird.

    Viele Grüße
    Mohs (Pirat aus NRW)

    • diogenuss sagt:

      Dann hoffen wir mal, das dies bald schon seltener wird, denn sonst laufen der Piratenpartei nur allein deshalb die Waehler weg, weil das Diskussionsniveau untereinander den schlimmsten Imageschaden anrichtet.

      Und Angst vor der deutschen Medienwelt? Hmmmm, bisher haben sich die Piraten doch gerne unbequem gezeigt und miese Kampagnen gegen sich sogar haeufig noch in einen positiven Werbe-Effekt umgewandelt.

      Dann moegen sie bitte schnell zu diesen Faehigkeiten um Umgang mit den Medien zurueckfinden, denn wenn Piraten beginnen, sich hinter erzkonservativem Gedankengut zu verschanzen, kann man die Piratenpartei gleich schon wieder gegen die “Etablierten” austauschen, die wenigstens keine derartigen oeffentlichen Schlammschlachten untereinander veranstalten.

    • diogenuss sagt:

      Der Pirat Kai-Andreas Degen https://www.facebook.com/kaiandreas.degen
      rechtfertigt das Verhalten der Piraten mit einem aehnlichen Vergleich zwischen Esoterik, Nazis und Antisemitismus.

      Spaeter rechtfertigt er seine Aussagen auch noch mit “verfasungsgemaess garantiertem Grundrecht auf Meinungsfreiheit”.
      Werfen die Piraten jetzt also auch schon mit Worthuelsen um sich? Bedeutet “Meinungsfreiheit” das Recht auf Diskriminierung?

      Schoen, dann ist also auch Johann Wolfgang von Goethe in diesen Topf zu werfen, da er sich mit altem Weisheitswissen beschaeftigt hat… .

      Was da einige offensichtlich nicht mit anstaendiger Allgemeinbildung ausgestattete Menschen oeffentlich loslassen, ist oberpeinlich und fuer das Image der Piraten katastrophal.

      Hier geht es dann nicht mehr um den Feierabendjoint, sondern um grundlegende Luecken im guten Benimm und in der Kenntnis unserer Gesellschaft.

      • diogenuss sagt:

        Um diese Diskussion mit Kai-Andreas auf den aktuellen Stand zu bringen:
        Er fuehrt aus, deftige Beleidigungen wie hier geschehen seien “Standard Twittertrollsprache”.

        Dies wuerde ich gerne mit den Lesern weiter diskutieren.

        Fuer mich persoenlich geht dies zu weit. Neue Werte, ein neues Politikverstaendnis, neue Umgangsformen dank Netz-”kultur” – okay.

        Aber geht das tatsaechlich so weit, dass die Grundregeln guten Benehmens, zumal in der Oeffentlichkeit, absichtlich ausser Kraft gesetzt werden?

        Bin ich mit 43 Jahren bereits zu alt und verstaubt bzw. ist mein Begriff von “Cyberkultur” antiquiert und muss ich also radikal umdenken wenn ich die Piratenpartei verstehen will?

        Ich kann mir jedenfalls bis jetzt, und auch nach der Lektuere fast aller Kommentare und Aussagen der Piraten hier und anderswo, nicht vorstellen, dass eine Partei, die auch Stimmen von ausserhalb erhalten moechte, ernsthaft gutheissen kann, wenn man Menschen respektlos bis diskriminierend begegnet.

        Update: Wie es scheint, gehoer ich ja doch nicht ganz zum alten Eisen *grins* – hier ein aktuelles Fundstueckchen

        http://thekie.eu/wordpress/2012/10/gastbeitrag-scheise-macht-einen-piraten-nicht-transparenter/

        • Kai-Andreas Degen sagt:

          Du machst sehr schnell Leute zu Piraten. Wer etwas auf der Facebookwall der Piraten kommentiert, ist offensichtlich sofort ein Pirat für dich.

          Wer etwas auf Twitter im Alkoholrausch tweetet, was dir nicht passt, dann ist das sicherlich ein Pirat.

          Nein, nicht jeder der sich auf Facebook mit Piratenthemen auseinandersetzt ist Pirat, und nicht jeder der spontan jemanden, den er für einen Iditoten hält, auf Twitter so bezeichnet ist automatisch Pirat. Facebook ist Facebook, Twitter ist Twitter und das Piratenwiki ist das Piratenwiki.

          Und selbst das Piratenwiki besteht überwiegend nicht aus offiziellen Aussagen der Piratenpartei.

          Wenn irgendein Twitteriditot “Esodepp” schreibt, warum soll das der Piratenpartei schaden? Das ist keine offizielle Aussage der Partei.

          Jeder kann auf Twitter sagen was er will und das ist auch gut so. Dazu ist Twitter da. Da schreiben Leute überspitzt, vielleicht unter Alkoholeinfluss manchmal sicherlich auch Stuss. Aber das ist jeweils dann eine Aussage einer Einzelperson. Wenn etwas der Partei schadet, dann die Unfähigkeit, die Inhalte der Partei im Wiki, was das eigentlich wichtige ist, zu sehen, die Unfähigkeit, mal einen Blick in LQFB zu werfen. Wenn irgend ein CSU-Wähler in der Stammkneipe von den “Scheißpolacken die mir die Arbeit wegnehmen” labert, dann geht dann die Bildzeitung hin und sagt “CSU-Wähler hetzt gegen Ausländer”? Mit Sicherheit nicht. Wenn ein Twitterer zu überspitzt schreibt, dann stürzen sich direkt alle Auf die bösen bösen Piraten und zerfleischen sie, ohne gesicherte Beweise, ob besagter Twitterer überhaupt Pirat ist oder nicht.

          Wenn etwas der Partei schadet, dann doch wohl eher, dass man aus jeder Mücke ‘nen Elefanten macht… “O der Ponader trägt Sandalen!” “O der Ponader mag den Schlömer nicht, Skandal!” “da hat einer auf Twitter Arschloch gesagt. Piraten Nutzen doch Twitter. Piraten haben keinen Anstand”.

          Mag sein, dass manche Piraten keinen Anstand haben. Aber Köpfchen und Lösungen, und das ist das was zählt. Der Rest ist Kasperletheater für Leute die gerne Bildzeitung spielen wollen.

          Man kann sich echt auch künstlich aufregen und aus allem ein Problem machen, wenn man es denn will.

          • diogenuss sagt:

            Vermutlich hast Du die Debatte und die Hintergründe zur Aufstellungsversammlung der bayerischen Piraten nicht verfolgt. Sonst würdest Du aus diesem Elefanten keine Mücke machen.
            Der Twitter-Post eines Berliner Piraten in Amt und Wuerden war nur die Spitze des Eisbergs!

          • diogenuss sagt:

            Der “Scheisspolacke” war in diesem Falle ein Mitglied der eigenen Partei. Und er wurde auch nicht abstrakt und im geschlossenen Stammtisch-Kreis angegangen, sondern persoenlich diffamiert und dies in einem oeffentlich zugaenglichen Medium.

            Die Piraten bewegen sich auf duennem Eis, wenn sie eine solche Anti-Kultur auch noch dulden oder gar hochloben, wie Du dies hier tust.

            Bedeutet Transparenz etwa, dass man im Piratenwiki unter “persoenliche Interessen” schreiben sollte “Ich schicke gerne Polacken nach Hause”? Und damit hat man dann die Ehrlichkeitsmedaille verdient und darf klarmachen zum Aendern? Klares NEIN, denn Politiker zu sein bedeutet nun einmal, Vorbildcharakter zu besitzen und gewisse Dinge schlicht und einfach aus seinem Leben auszuklammern. Und auch der Alkoholkonsum vorm PC-Monitor macht gewisse Aussagen nicht waehlbarer, ganz im Gegenteil.

            Wenn Zaech beispielsweise im WIki stolz von sich behauptet, ein “Lurker” zu sein (hallo also zum Wortespanner nach Neukoelln – wird Dein Lurking sowie Dein “Prokrastinieren” denn von meinen Steuergeldern finanziert?) und “andere Sachen zu konsumieren”, dann wird sicher nur ein verschwindend geringer Bruchteil einer potentiellen Waehlerschft seine Soehne und Toechter unter den Einfluss dieses Politikers stellen wollen, der in den Ausschuessen fuer Bildung und Kultur sitzt.

            Unsachliches Diskriminieren ist kein Kavaliersdelikt, weder auf Twitter noch mit zugedroehnter Birne. Nicht in der Strassenbahn und schon gar nicht aus dem Munde eines Volksvertreters.

  5. DudeMinds sagt:

    Hiermit ist mein “Gequatsche” zur Diskussion gestellt.

    • diogenuss sagt:

      Gut. Dann erkläre bitte den Lesern, wie Deine geschmacklose Ausdrucksweise mit folgenden Grundsätzen der Piraten (und diversen anderen Grundsätzen zu Fairness, political correctness etc.) vereinbar ist:

      http://wiki.piratenpartei.de/Kodex
      Piraten sind tolerant und gegen Diskriminierung

      Niemand darf aufgrund seiner (geographischen oder sozialen) Herkunft, seines Glaubens (oder Nicht-Glaubens), seines Aussehens (Hautfarbe oder Physiognomie), seiner Sprache, seines (biologischen oder sozialen) Geschlechts, seiner sexuellen Orientierung,wegen seines Berufes oder seiner Familien-Tätigkeit als Hausfrau/Hausmann, seiner Kultur, seines Gewichtes oder Übergewichtes, seiner (körperlichen oder intellektuellen) Fähigkeiten, seines Gesundheitszustandes, seiner politischen Anschauungen, seines Alters, seines Familienstandes beziehungsweise seiner Lebensweise oder wegen seines Bildungsstandes diskriminiert werden!

      Ich weise nochmals darauf hin, dass die Diskussion hier für mich in erster Linie darauf abzielt, einen Konsens zu finden, der den Piraten nutzt. Aussagen wie die Deine stehen im krassen Widerspruch zu den grundsätzlichen Benimmregeln, die gerade ein Politiker, der in der Öffentlichkeit steht, zu beherzigen hat.

    • diogenuss sagt:

      Ein transparenter Piraten-Politiker,
      noch dazu schon auf einem Sessel in Berlin -

      Beleidigungen hinausschreien, die sein Amt und seine Ausschuss-Funktionen mehr als nur in Frage stellen -

      und dann noch nicht einmal auf eine ordentliche Frage antworten… .

      Vermutlich hat er nicht die Eier, einen Fehler einzugestehen oder in der Öffentlichkeit zu seinem zweifelhaften Jargon zu stehen.

      So ein Verhalten sollte vor allem von einem Politiker in Amt und Würden auch bei den Piraten keinesfalls geduldet werden, denn so gehen ruck zuck die Wählerstimmen flöten!

  6. Andreas sagt:

    Ich finde es gut, dass du hier Position beziehst. Ich fand es auch nicht in Ordnung, dass einige Leute eindeutig über das Ziel hinausgeschossen sind und auch beleidigend wurde.
    Mir wird ja in Schwaben vorgeworfen, ich hätte die “Hetze” und das “Mobbing” initiiert.

    Ich hab auf der Schwaben ML auch eine Klarstellung verfasst, bei denen ich mich auch auf meine Tweets beziehe.

    Auch hier nochmal, ich habe Hans bereits mehrmals auf Stammtischen und Veranstaltungen getroffen und ihn als sympathisch und engagiert erlebt. Ich bin auf die Thematik erst aufmerksam geworden, als er bei einem Stammtisch mir Contra gab zu meiner Stellung bzgl. Homöopathie. Auf der Aufstellungsversammlung in Friedberg hab ich ihn auch zu dem Thema befragt, als er Kandidat war. Er hatte dort auch die Chance klarzustellen wie er es damit hält. Er hat für mich den Eindruck gemacht, dass er davon eben überzeugt ist und da seh ich eben ein Problem. Als Privatperson darf er da tun was er will, es geht mich auch nix an, aber wenn er als Kandidat für ein öffentliches Amt kandidiert hat es schon eine gewisse Relevanz. Ohne die Themenbereiche vermischen zu wollen, aber ich halte Kandidaten die sich im Bereich Homöopathie, Astrologie, Freie Energie, Esoterik usw. engagieren für nicht geeignet uns zu vertreten. Wir sind uns ja denk ich auch einige, dass wir bestimmte Tendenzen in unserer Partei nicht wollen, daher werden die Leute ja auch befragt welche Politische Vergangenheit sie haben.
    Insofern fand ich es legitim die Versammlung darauf hinzuweisen, dass sie sich dessen bewusst sind und sich damit befassen. Hans hatte IMHO die Chance klar aufzuzeigen, dass er differenzieren kann zwischen seinem Engagement beuflich/privat und in der Partei, was er leider nicht ausreichend getan hat.

    Ich finde es aber auch eine Schweinerei, dass Leute ein gefälschtes Wikiprofil angelegt haben oder beleidigend wurden. Das überschreitet für mich auch die Grenze, wenngleich ich das den Leuten nicht verbieten kann.

    Wir sind ja dafür gerade unbekannte Kandidaten zu Grillen, da wird es auch gern mal schärfer im Ton, aber es sollte im Rahmen bleiben.

    Ansonsten hoffe ich, dass du und auch Hans unterscheiden können zwischen Kritik und Diskriminierung.

    • diogenuss sagt:

      Ist Deine Klarstellung irgendwo fuer mich einsehbar? Ich wuerde sie gerne lesen.

      Ich danke fuer Deine offenen Worte hier.
      Mir persoenlich ist die Piratenpartei ans Herz gewachsen, es gibt einen grossen Bedarf an Politikerneuerung,
      und ich kann nur hoffen, dass die Partei durch die unbedachten Aeusserungen Einzelner nicht ins Stimmungstief faellt.
      Jedem muss klar sein, dass er im Fokus und im Rampenlicht und unter besonderer Beobachtung steht und seine Regeln zu 110% einhalten muss.

      Eine Diskussion ueber Esoterik zu fuehren, dafuer habe ich diese Seite nicht verfasst. Insofern muss einfach klar sein, auch meinem Vater,
      dass man sich, wenn man die Partei vertreten moechte, an deren Richtlinien zu halten hat und Punkt. Ebenso allerdings auch an die Etikette.

      Ich habe mich als Sohn des Hans Herwart Albers bewusst in die Diskussion eingemischt, da ich denke, exklusive Informationen zu besitzen.
      Eine davon ist, dass mein Vater innerhalb vieler Jahrzehnte zwar fuer seine Art des Wissens eingetreten ist, aber noch nicht einmal seinen eigenen Sohn in irgendeiner Weise zu beeinflussen versuchte. Im Gegenteil es war ihm immer ein Anliegen, eine offene und harte Diskussion zu fuehren. Auch zu andern Themen die ich einfuehrte, zum Beispiel Drogenpolitik, hat er immer versucht, einen objektiven Standpunkt zu bewahren, auch wenn er entschieden anderer Meinung war!

      Die Piraten muessen ihre Organisationsstruktur ueberdenken! EIn “Grillen” gerade unbekannter Kandidaten ist zwingend notwendig. Aber es muss dringend hinterfragt werden, ob z.B. das Medium Twitter in seiner Beschraenktheit solch eine herausragende Rolle bei der Meinungsfindung spielen darf. Und ob es nicht klare Sanktionen geben muss fuer diejenigen, die durch unbedachte Aeusserungen in der Oeffentlichkeit dem Ansehen der Partei staerker schaden, als ein Herr mit Neigung zu einigen unbestaetigten Wissenschaften.

      Was ueberhaupt nicht geht und innerparteilich dringend besprochen werden sollte, ist die pauschale Verquickung von esoterischen Alternativwissenschaften mit Sektiererei und mit Rechtsextremismus, die offenbar innerhalb der Partei weit verbreitet ist. Dann kann man auch gleich Kopftuchtraeger mit Terroristen gleichstellen… . Auch wenn einige selbsternannte Heiler sich auch als Fuehrer sehen ist doch das Gros derjenigen, die von anderen Wissensgebieten ueberzeugt sind, harmlos, pazifistisch und menschenfreundlich.

      Die Unterscheidung zwischen Kritik und Diskriminierung duerfte Menschen mit einer durchschnittlichen Allgemeinbildung und einem Grundwissen in Rhetorik sowie Philosophie nicht schwer fallen. Umso erstaunlicher ist es, dass es bei den Piraten scheinbar Menschen an diverse Spitzenpositionen geschafft haben, die mit den oben erwaehnten Grundvoraussetzungen fuer das serioese Wirken als Politiker anscheinend nicht ausgestattet sind.

      • Andreas sagt:

        Ja, zumindest aktuell hier:

        http://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=238805

        Wie gesagt ich verurteile die beleidigenden Tweets und alles andere was da manche betrieben haben. Dass die aus meiner Sicht faire Kritik mit reinrutscht und das mitgetragen hat ist “dumm gelaufen”.

        Bei den Sanktionen kann ich dir nicht Recht geben, da muss IMHO mehr passieren, dass wir Leute bestrafen. Das is nochmal eine andere Stufe.

        Ich gebe die Recht bei der Verquickung. Rechtsextreme und Sekten sind nochmal eine ganz andere Hausnummer und viel problematischer. Aber ich habe eben auch mit Pseudowissenschaften grosse Probleme, da auch diese Gefahren mitbringen sowohl gesundheitliche als auch finanzielle bei Personen.

        Ich werde mit Hans, sobald ich ihnen wieder treffe, auch nochmal direkt reden und ihm klarmachen warum ich die Dinge so geschrieben habe und wie ich dazustehe und warum ich dahinterstehe, aber auch was ich verurteile.

        • diogenuss sagt:

          Schau Dir meinen Vater an, er hat mit seinen 79 Jahren alles andere als gesundheitliche Probleme!

          Ich moechte diejenigen Moralapostel unter den Piraten mit derselben Meinung wiedersehen, wenn sie 80 werden und sie fragen, wie viel Schaden sie sich selbst und oder anderen mit ihren diversen “anerkannten Lastern” zugefuegt haben – falls sie dann ueberhaupt noch so klar und orientiert und ueberhaupt antworten koennen wie der gefaehrliche Astrologe!

          Wie erwaehnt sollte man klar unterscheiden zwischen Heilsbringern, die mit dem Leid anderer Geld machen (das schliesst unsere Schulmedizin und Pharmaindustrie GANZ ENTSCHEIDEND mit ein) und andererseits Menschen, die sich aufgrund ihrer Einsicht in die Sackgasse der klassischen Wissenschaften neugierig mit Alternativen beschaeftigen!

          Ich bin mir sicher, Herr ALbers wird sich auf einen offenen und direkten, jedoch grundsaetzlich respektvollen Dialog mit Dir freuen. Und es wuerde mich dank seiner “Altersweisheit” nicht wundern, wenn er sogar fuer die respektlosen Emporkoemmlinge noch freundliche Worte faende… .

          Sanktionen? Klar, man kann nicht jeden Patzer gleich abstrafen. Aber man koennte gelbe Karten verhaengen fuer Menschen, die dem Ansehen der Partei schaden.

          • Andreas sagt:

            Ich habe auch Respekt vor dem Gesundheitszustand, er hat mir ja auch mal erzählt wie es in der Vergangenheit war. Ich sehe halt eher seine Sportlichkeit und gesunde Lebensweise als den Grund dafür, aber das führt jetzt vom eigentlichen Thema weg.

            Ich denke ich habe klargestellt womit ich ein Problem habe und dass ich jedem die freie Wahl lasse wie er privat handelt. Mein Problem ist auch weniger die Astrologie, da hab ich mich auch nicht drauf eingeschossen, ich halte es für Humbug aber es leidet normal niemand drunter, maximal wenn er Geld dafür ausgibt eben finanziell. Ich hab ein Problem wenn z.B. Eltern rein auf Homöopathie setzen und einem schwerkranken Kind sinnvolle Behandlung verwehren und es dann stirbt.
            Das die Pharmaindustrie auch sehr viel Dreck am Stecken hat, steht auszer Frage.

            Ich hab bisher immer gut mit Hans diskutiert und werd es auch weiterhin. Wie gesagt bei den beleidigenden Worten war auch für mich eine Grenze überschritten, man hätte vermutlich da bereits energischer eingreifen sollen um es auf eine normale Ebene der Kritik zurückzuführen.

  7. Ich war zwar nicht zugegen, doch auch ich finde den beschriebenen Vorgang sehr bedauerlich. Zwar ist auch meinerseits die Einstellung zu esoterischen Themen ebenfalls nicht gerade positiv, jedoch sollte Kritik in dieser hoch unprofessionellen Form einfach nicht stattfinden.

    Ich hoffe, das Thema wird noch einmal sachlich aufgegriffen und geklärt.

    • diogenuss sagt:

      Das wu¨nsche ich mir im SInne der Piratenpartei auf Stimmenfang – und im Sinne von Hans Herwart Albers, ebenfalls. Vielen Dank für den Kommentar.

  8. Sabine Otto sagt:

    Hallo diogenuss,
    ich habe mir die Freiheit genommen,
    deinen als offen bezeichneten Brief mit den folgenden Worten in meinem GooglePlusStream einer breiteren Öffentlichkeit zuzuführen.
    Danke für deine Worte.

    “Da spricht mir jemand aus dem Herzen …

    Ich war dabei und auch mich hat das Verhalten der Bayerischen Piraten auf der Aufstellungsversammlung in Maxhütte-Haidhof in meinen Grundfesten erschüttert.

    Ich habe für eine kurze Zeit ernsthaft darüber nachgedacht, dem politischen Geschehen unter diesen Umständen so schnell wie irgend möglich den Rücken zu kehren.

    Aber diesen “Kindern” das Schlachtfeld überlassen?
    NEIN, ein deutliches Nein!

    Vielmehr betrachte ich das Erlebte im Nachhinein als Aufruf, mich möglicherweise stärker zu engagieren, um dem wirkungsvoll entgegentreten zu können.

    Wenn das das Ziel der an diesem Shitstorm Beteiligten war, haben sie es erreicht.

    Aber das bezweifle ich stark.

    Ich wünsche mir einen respektvollen Umgang miteinander.
    Vor allem bei und unter den Piraten.
    Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam als Vorbild da stehen!
    Und dafür werde ich kämpfen!”

    • diogenuss sagt:

      Leider werden meine Anfragen sowohl von der Partei in Bayern als auch in Berlin ignoriert.

      Es scheint in der Tat (noch) ein etwas eigenartiges Selbstverständnis bei vielen Piraten, sogar in Führungspositionen, zu herrschen. Hier werden wohl Transparenz, freie Meinungsäusserung, Umbequem-Sein uvm. mit der Lizenz zu peinlichem, unangemessenem Verhalten gleichgesetzt.

      Es wäre sehr wünschenswert, gemeinsam als Vorbild dazustehen. Das derzeitige Stimmungstief der Piraten innerhalb der Partei und in der Aussendarstellung ist zu einem Teil sicher auch auf diesem Mist gewachsen:
      Nichts gegen “Trolle” und gegen das unverblümte Ansprechen unangenehmer Thematik. Das ist in der Politik überfällig, seit sich die politische Kaste gegenseitig das Geld in die Taschen schiebt und mit Worthülsen nur so um sich wirft. Die Piraten tun gut daran, sich in dieser Hinsicht nicht anzupassen und weiter einen konsequenten Kurs gegen den Strom zu fahren.

      Aber besoffene Selbstdarstellung via Twitter, hemmungsloses Draufschlagen auf Andersdenkende und das Erheben von schlechtem Benehmen zur Kultur – ein klares NEIN auch von mir.

      Und dann noch die arrogante Meinung, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, nur weil man gut mit dem Internet umgehen kann! Das sollten doch die Piraten zu allererst wissen, dass ihnen von google jene Suchergebnisse präsentiert werden, die sie selbst lesen möchten.

      Das, beispielsweise, in grossen Teilen der Partei der Irrglaube verankert ist, (esoterisches) Weisheitswissen sei gleichbedeutend mit Rechtsextremismus, Antisemitismus, Führer-Ideologie oder Nazitum, ist ein deutliches Zeichen dafür, wie unreflektiert hier einige “Kinder” das Internet für bare Münze nehmen. Der Weg ist nicht weit bis hin zu einem Fanatismus, der auf ein gefährliches Schlachtfeld führt.

  9. Haide (diogenuss) sagt:

    Nachfolgend ein mail an die ML Schwaben, das u.A. aus SIcht einer Insiderin klar macht, dass dieser “Esoteriker” sich ausschliesslich zum Wohle der Piraten hat aufstellen lassen wollen! Seine privaten Themen spielten dabei keine Rolle!

    Von: Haide F.S.

    Betreff: Shitstorms, Bundestagsliste, Piraten und andere Dinge
    Datum: 23. Oktober 2012 01:49:37 MESZ
    An: Mailingliste Schwaben
    Kopie: Hans H. ALBERS

    Liebe schwäbische Piraten,

    eigentlich wollte ich mich gar nicht äußern, ich tue es dennoch, weil
    ich mich schäme, wie wir miteinander kommunizieren und miteinander
    umgehen. In keinem bayerischen Bezirk erlebe ich eine solche
    Kommunikation wie wir sie in Schwaben führen. Und ich bin traurig,
    enttäuscht und weiß nicht mehr weiter.

    Dennoch glaube ich noch immer an die Ziele der PIRATEN, genauso wie
    “damals” (21. Juni 2009) als ich eingetreten bin. Die Piratenpartei
    ist eine Partei, die für Bürgerrechte im 21. Jahrhundert einsteht.
    Privatsphäre, Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung sind
    für mich die wichtigsten Themen der Piraten[1]. Um diese Ziele lohnt
    es sich noch immer Pirat zu sein und weiter dafür einzutreten. Das
    sind u.a. die Themen, mit denen ich mich immer wieder selbst
    motivieren kann, weiter für die Partei zu arbeiten, egal welche “böse”
    innerparteiliche Gegenwinde wehen.

    Unsere Liste für den Bundestag ist nicht schlecht[2]. Ob sie gut ist,
    kann ich nicht beurteilen. Mit den Personen auf Platz 1 – 20 habe ich
    schon längere Gespräche geführt, (nur zwei Personen sind mir nicht im
    Gedächtnis geblieben und beide heißen Michael ;-) All diese Personen
    können mE die PIRATEN im Bundestag vertreten. Dennoch hätte ich mir
    gewünscht, dass Hans auf einen der vorderen Listenplätze gewählt wird
    und habe auch dementsprechend ohne Twitter auf der Versammlung in
    Maxhütte “Mundpropaganda” für ihn “betrieben”. Ich würde es jederzeit
    wieder machen.

    Das erste Mal auf Hans getroffen bin ich, als wir den Kreisverband
    Aichach-Friedberg gegründet haben, wo ich ziemlich vielen auf die
    Nerven gegangen bin, weil ich eine gute Satzung haben wollte. In
    dieser Versammlung hat Hans sehr häufig gegen mich geredet, weil ich
    so viel Wert auf Formalia lege. Und er war mir erstmal sehr
    unsympathisch, was wohl auf Gegenseitigkeit beruht hat. Danach haben
    wir uns öfter zufällig auf verschiedenen Stammtischen und anderen
    Veranstaltungen in Schwaben und Oberbayern gesehen. Es hat bestimmt
    fünf Monate gedauert, dass ich meine Vorurteile ihm gegenüber abgebaut
    habe, weil er ein “Neupirat” war, ihn als “alten” Eindringling, der
    sehr “vorstandshörig” ist, gesehen habe. Ein Mensch, der nur daran
    denkt, wie man eine Partei, in diesem Fall die Piratenpartei
    voranbringen kann. Es tut mir leid sagen zu müssen, dass ich nichts
    von Parteien halte, und mir diese zuwider sind[3]. Und da kam einer
    an, der parteitaktisch, wahltaktisch, zwischen “jung” und “alt”
    verbindend gedacht hat. Jemand, der mit fast 80 Jahren Lebenserfahrung
    so weltoffen denkt. Hans hat mich sehr beeindruckt. Hans und ich
    hatten die Gelegenheit über sehr viele Themen zu sprechen, manchmal
    waren sie privater Natur, aber meistens haben wir uns über die
    Wahlchancen der PIRATEN unterhalten und Hans hat da Ansätze, die für
    mich sehr innovativ sind.

    Hans und ich haben uns nie über Homöopathie oder Astrologie
    unterhalten. Wir haben über tagespolitische Dinge geredet. [4]
    Deswegen hat es mich so gewundert, dass er plötzlich über diese Dinge
    befragt wurde. Ich muss zugeben, dass ich Twitter während Parteitagen
    und Aufstellungsversammlungen nicht so sehr verfolge wie andere es
    tun. Er hat nie behauptet, dass sein Wissen in den beanstandeten
    Bereichen Wissenschaften seien. Und wenn wir wissenschaftlich korrekt
    sein möchten, müssen wir auch zugeben, dass Wissen != Wissenschaft
    bedeutet. Oder liege ich da so falsch?

    Aus dem Grund, dass ich Twitter bei Pareitagen nicht so sehr verfolge,
    und lieber Face2Face kommuniziere, habe ich nicht mitbekommen, dass
    der “Shitstorm” aus Schwaben initiiert wurde[5]. Hans ist mE mit einem
    parteitaktischem guten Willen angetreten, die Eröffnungsrede für uns
    zu halten, wobei er diese Rede mit uns Piraten aus Schwaben erarbeitet
    hätte, angetreten. Wisst Ihr wie viel Potential diese Rede für uns
    gehabt hätte? Besser als Heinz Riesenhuber und vorallem
    zukunftsweisender wäre Hans mit unserer Hilfe allemal gewesen[6]. Ich
    bin mir auch sicher, dass Hans “piratige” Politik besser vertreten
    könnte als ich. Und ich glaube ihm auch, dass er noch während der
    Anfangszeit der Legislaturperiode zugunsten eines jüngeren Nachrückers
    zurückgetreten wäre.

    Was die Liste betrifft, habe ich Bruno bevor die Wahl zu Ende war zu
    seinem ersten Platz gratuliert, weil ich zwar das Gefühl hatte, dass
    die Mehrheit der Versammlung entweder Andi oder Alex auf dem ersten
    Platz gesehen haben, aber dadurch, dass sie sich relativ ähnlich sind,
    gegenseitig Stimmen “weggenommen” haben. Für den ersten Platz hätten
    wir noch eine Stichwahl gebraucht. Dann hätten die ersten drei Plätze
    die Stimmung der Versammlung eher dargestellt.

    Aber ich möchte mich nicht mit einem “hätte”, “wäre” usw. begnügen,
    wir sind eine Interessensvertretung, eine Lobbyistengruppe für
    diejenigen Menschen, die Bürgerrechte im 21. Jahrhundert fördern
    wollen und sollten aus unseren “Fehlern” der Vergangenheit[7] lernen
    und das in Zukunft besser machen. Wir sollten unser Parteiprogramm
    leben, und auch Querdenker, Andersdenker offener gegenübertreten. Dass
    Hans nun für uns Piraten und PIRATEN nicht die Eröffnungsrede halten
    wird, ist schade, aber nun Fakt. Ich freue mich auf eine weitere
    Riesenhuber-Rede ;-) Dass wir nun einen personalisierteren Wahlkampf
    statt Themenwahlkampf machen werden, ist nun auch der Fall, aber
    machen wir das Beste draus.

    Es sind menschliche Abgründe zu Tage getreten (nicht nur heute), und
    das ist wohl, was mich am meisten enttäuscht, weil ich alle
    schwäbischen Piraten, die ich persönlich kenne, auch menschlich mag,
    nicht nur wegen einer gemeinsamen Parteizugehörigkeit. Lasst uns
    gemeinsam was erreichen. Alleine kann leider niemand was erreichen,
    selbst wenn er oder sie die besten Absichten für viel mehr
    Gerechtigkeit auf dieser Welt hätte.

    Lasst uns gemeinsam einen richtig geilen Wahlkampf führen, und auch
    wenn es persönliche Spannungen geben wird, denkt immer daran, warum
    wir Piraten sind.

    Schöne Grüße
    Haide

    P.S.: Zu den zur Zeit laufenden Themen auf dieser Mailingliste habe
    ich noch viel zu sagen, sowohl positives als auch Negatives, aber dann
    würden mir einige sagen, dass ich mir nen Blog zulegen soll, den ich
    schon habe, siehe [1] ;-)

    [1] http://anonimada.blog.de/2010/05/11/piraten-ein-themen-partei-landtagswahl-nrw-bundesparteitag-interne-meinungsverschiedenheiten-8568010/

    [2] http://twitpic.com/b676yi

    [3] Die Piratenpartei ist mir deswegen so sympathisch gewesen, weil
    mir jemand erzählt hat, dass das “höchste” Ziel der PIRATEN sei, sich
    selbst überflüssig zu machen.

    [4] Bspw. ESM, Armut in Deutschland, Globalisierung, Piraten (nicht
    PIRATEN) in den Medien.

    [5] Wer sich angesprochen fühlt, den liefere ich gerne “Beweise”,
    nachdem wir Piraten so sehr auf Beweise stehen.

    [6] http://www.rp-online.de/politik/deutschland/peinlicher-alterspraesident-1.2297666

    [7] Vergangenheit ist auch schon das vergangene Wochenende in Maxhütte-Haidhof

  10. Jetzt komme ich endlich (trotz beruflicher Belastungen und Reisen) endlich zu einer Antwort.
    Ich bin ja hier ein Betroffener, nach Shitstorm, Kandidatengrill und ganz besonders Twitter. Ausgangspunkt war, dass ich als derzeit 79-jähriger Senior, aber immer noch Geschäftsführer einer Fahrzeugbau GmbH, mir das Ziel gesetzt hatte, für die Piratenpartei etwas zu bewegen. Mitglied bei den Piraten bin ich aus der vollen Überzeugung geworden, dass nämlich unsere Demokratie dringend einer Erneuerung bedarf, die durch diese neue und junge Kraft (der vielen Jüngeren) zustande kommen kann.

    Gleichzeitig bin ich aber auch Realist nach 6maliger Geschäftsführertätigkeit in Mittelstandsfirmen, nach Leitung einer REHA-Klinik und nach drei Vereinen, in denen ich Vorsitzender war. Und deshalb ist es meine Überzeugung, dass wir Piraten nur dann aus dem derzeitigen Umfragetief von 3 bis 4 % herauskommen, wenn wir uns darauf konzentrieren, konsequent und als klares Hauptziel unsere Wahlchancen zu verbessern und vor allem kein Hochstilisieren von nutzlosen Personalquerelen zu betreiben.

    Inzwischen ist bekannt, dass 10 % der Wähler von über 65 Jahren uns in den Wahlen 3,5 % bringen würden, dass es dagegen bei 10 % der unter 25-Jährigen (die in unserer Partei stark vertreten sind, was gut ist und die selbst Gleichaltrige als Piratenwähler aktivieren können), im Ergebnis bei Wahlen nur 0,8 % bis vielleicht knapp über 1% wären.

    Hier sehe ich den Ansatz für mein Engagement. Als immer noch aktiver Sportler, früherer Fußballschiedsrichter und heute noch aktiver C-Trainer Tennis pflege ich nach wie vor in vielen Vereinen und Gruppierungen Kontakte zu Alt und Jung, kann diese Menschen zusammenbringen, kann motivieren. Aber besonders würde ich in unseren Wahlkämpfen (mit Niedersachsen beginnend) den Bereich der über 65-Jährigen aktivieren, weil dort – wie im vorherigen Absatz dargestellt – die entscheidenden Prozentpunkte für unseren Einzug in die Parlamente zu finden sind. Ab dem 9.12.2012 beende ich meine Arbeit in der Industrie. D.h., nach ein paar Tagen Urlaub kann ich mich im Januar und dann weiter in 2013 voll um Wahlkämpfe kümmern.

    Zugleich war mein Ziel aber eine Bundestagskandidatur. Ich wäre im Jahr 2013 Alterspräsident geworden mit der Chance, dort zu Eröffnung der neuen Legislaturperiode die erste Rede zu halten. Das wieder einem Prof. Riesenhuber aus der CDU zu überlassen, wäre zu vermeiden gewesen (im Internet ist zu finden, welche Rolle er bereits 2009 mit seiner Rede gespielt hat). Welche bessere Möglichkeit hätte es geben können, als dort die Weichen für eine Politikerneuerung im Sinne unserer Piratenpartei zu stellen?

    Das wurde von mir in einer Aufstellungsversammlung so dargestellt mit dem Ergebnis, dass ich in der Vorauswahl von 40 Kandidaten noch zumeist positiv kommentiert wurde und den vierten Platz erreichen konnte. Heute weiß ich, dass es mein Fehler war, sich vorher nicht auf Piratenwiki vorzustellen und dort schon vorab „gegrillt“ zu werden. Aber verschiedene Umstände und besonders
    meine berufliche Tätigkeit hatten das bedauerlicherweise verhindert.

    Mit dem, was dann aber in der Nacht per Twitter usw. und am nächsten Tag über mich hereinbrach, hatte ich nicht gerechnet. Plötzlich war ich der „Esoopa“, es wurde von „Esoscheiss“ gezetert sowie von „Homöopathie ist Humbug“ und ein Vortrag sowie Seminar, zu dem ich im November von der Astrologischen Gesellschaft in Zürich eingeladen war, stand so sehr im Mittelpunkt, dass es nicht mehr um die Chance der Rede des Alterpräsidenten anstelle von Riesenhuber ging, sondern dass es kaum noch ein anderes Thema als Astrologie gab, worüber ich übrigens in den 90er Jahren in Fernost an Universitäten auf Taiwan und andernorts wie auch in den USA Vorträge gehalten hatte. Auch mein Hinweis, dass man einmal bei unserem Dichterfürsten Goethe nachlesen möge, was der zu diesem Weisheitswissen gesagt hat, ging in einem Getöse von Anschuldigungen und Beleidigungen unter. Selbst mein Verweis auf den beruflichen Werdegang von mir (auf „www.cyberculture.de/haupt“ nachlesbar), der mit Anerkennung, stets mit vielen Referenzen und natürlich ganz besonders mit einer klar realitätsbezogenen Einstellung von mir verbunden war, wurde bei der weiteren Grillzeremonie völlig ignoriert. Bei meinen Antworten auf dem Podium habe ich mich jedenfalls schon gefragt, ob das wirklich die Partei der Toleranz, der Unvoreingenommenheit und der Meinungsfreiheit ist.

    Mit meiner Rede hätte ich der Piratenpartei garantiert nicht geschadet. Sie wäre deshalb auch in unserem Landesverband gemeinsam mit Piratenfreunden formuliert worden. Und es gab auch mein Bekenntnis, dass die Partei entscheiden kann, wie lange ich im Bundestag sein würde bzw. wann ich einem Nachrücker Platz machen könnte. Ich wollte dort nicht etwa viel Geld verdienen und Pensionsansprüche erwerben. In meiner Kandidatenrede habe ich das alles so dargestellt, aber es war ein nutzloses Unterfangen. Man war nicht bereit, die mit mir für unsere Partei gegebene Chance zu ergreifen. Auch die Sorge, es hätte der Partei Schaden zufügen können, einen „Esoteriker“ den Medien wie den Bürgern zu präsentieren, hält keiner Überprüfung stand. Diese Sorgen sollten wir anderen Parteien überlassen! Wir Piraten stehen für Meinungsvielfalt und sind in der Lage, offensiv dafür einzutreten. Ich hätte das jedenfalls garantiert gekonnt.

    Was bleibt jetzt: Es ist unsere durch diese Vorgänge sicherlich geschädigte Piratenpartei. Selbst die „Grünen“ haben sich genüsslich an dieser Demontage eines Piraten via Twitter und Facebook erfreut. Was viele evtl. uns zugeneigte Wähler sagen, die das alles mitbekommen haben, bleibt auch noch zu fragen.

    Trotzdem: Ich bin aus Überzeugung Pirat geworden und bleibe ein Pirat, der sich für die erneuernde Kraft unserer Partei weiter einsetzen wird. Und der das Feld nicht jenen räumt, denen nichts anderes einfällt, als vielleicht im Kampf um eine eigene Kandidatur oder selbst ohne solche Absichten etwas wie Mobbing, Herabsetzung auf tiefstem Niveau, auch Selbstzerfleischung und das Gegenteil von zukunftsgerichtetem Denken zu betreiben. Das zu verändern und einen wirklich respektvollen Umgang unter uns zustande zu bringen, auch das wird eine meiner Aufgaben sein.

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