Archiv für 25. April 2012

“Daumen hoch” für die Schwarm-Intelligenz?

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Zugegeben: Das oberflächliche “Friede, Freude, Eierkuchen” – Gehabe in vielen Freundeskreisen, virtuell oder in der Familie und in der Kneipe um die Ecke, hat mich schon immer abgeschreckt. Vor allem dann, wenn gleichzeitig hintenrum über die angeblichen Freunde nach Herzenslust gelästert wird. Wenn das friedliche, kollegiale Miteinander nur deshalb gepflegt wird, weil man nicht die Chuzpe hat, Konflikte direkt und offen auszutragen. Oder weil die Kritikunfähigkeit vieler Mitmenschen einem das offene Wort gründlich verleidet.

Dennoch ist es absolut verständlich, dass soziale Netzwerke, allen voran facebook, zwar einen “gefällt mir”-Knopf besitzen, das kritische Gegenstück aber trotz millionenfachen Wunsches nicht einführen.

Schauen wir uns im Internet einmal genauer um: In zahllosen Foren werden Gedanken und Meinungen ausgetauscht. Zu einem grossen Teil anonym kann da nach Herzenslust diskutiert, gestritten, aber auch beleidigt und beschimpft werden. Ein Marktplatz der Höflichkeiten sind viele Foren jedenfalls nicht. Zu leicht fällt es, daheim am Schreibtisch seinen Alltagsfrust durch den Affront gegen Andersdenkende etwas abzubauen.

Ein Sprichwort behauptet, dass sich intelligente Geister über Ideen unterhalten, der durchschnittliche Mensch sich über Ereignisse austauscht und die breite, dümmliche Basis lediglich über Personen. Getreu nach diesem Grundsatz wird von den Mitgliedern der erwähnten Foren, der sozialen Netzwerke und so fort häufig unsachlich und beschämend einfältig über denjenigen mit der anderen Meinung hergezogen. A gibt seinen Sermon zur politischen Stimmung kund und B, dem dies nicht gefällt, beschimpft A, abgeschirmt durch die Anonymität von Pseudonymen und durch die räumliche Distanz, unter der Gürtellinie. Das Resultat sind “threads”, die schon nach der dritten Zeile getrost geschlossen werden könnten, weil sie nichts mehr zur Sache und nur noch etwas zur Person aussagen. Solche lächerlichen Schlammschlachten sind dann das Aushängeschild unserer Informationsgesellschaft? Herrje, wenn auf Datenautobahnen doch Mauthäuschen für Mülltransporter eingeführt werden könnten… .

Viele mitteilungsbedürftige Internet-Nutzer haben sich daher schon lange aus den communities zurückgezogen, weil es ihnen zu bunt wird, allzu schnell Fragen nach den Eiern in ihrer Hose beantworten zu müssen, wenn sie sich doch eigentlich angeregt und zumindest mit einem Basisniveau über Frühstückseier aus Massentierhaltung unterhalten wollten.

Wenn facebook und co. auf den “dislike-button” verzichten, dann deshalb, weil sie nicht den Millionen von Stammtischrhetorikern auch noch Hilfe dabei leisten wollen, ihren nichtssagenden unsachlichen Dreck über denjenigen auszuschütten, die wenigstens noch versuchen, das Netz mit Daten zu füttern, die von allgemeinem Interesse sein könnten. Zum Konsens benötigt man nämlich zwei Parteien, für Nonsense reicht schon ein Idiot.

Kritiker bemängeln durchaus mit Recht, dass im Netz allzu schnell und ohne nachzudenken auf „Daumen hoch“ geklickt wird, dass bedenkenlos Inhalte geteilt werden und sich Fehlinformationen oder schlichter bullshit dadurch massenhaft verbreiten. Und dass sich diese vielklickenden Lemminge dann auch noch selbstgefällig als Mitglieder einer „Schwarmintelligenz“ wähnen, weil sie durch ihren schlauen Klick dabei helfen würden, die Tierquälerei in Südwest-Neuguinea einzudämmen oder auf die Augenkrankheiten der Kayapo-Indios im brasilianischen Regenwald hinzuweisen. Aber dieses Phänomen ist eben eine Ausgeburt des Informationszeitalters und immer noch sinnvoller als die niveaulosen Rundumschläge neurotischer Einfaltspinsel, die kreative Prozesse und Meinungsverschiedenheiten durch plumpe Anmache im Keim ersticken.

Fahren wir also bitte munter fort, zu „liken“. Und wenn auch nur ein Prozent der gefällt-mir-Fraktion vor oder nach dem Klick auf den Daumen ein klein wenig über wirkliche Hintergründe zum entsprechenden Thema recherchiert, kann sich der Schwarm tatsächlich ein Stück wertvollen Inhalt einverleiben.

Lanzarote bleibt Biosphärenreservat

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Lanzarote/Sofia:

Die UNESCO Generaldirektorin Irina Bokova und der spanische Minister für die Ausbeutung der Kanarischen Inseln, José Manuel Soria, haben am vergangenen Samstag in Sofia bei einem Treffen bekräftigt, dass der Status Lanzarotes als “Biosphärenreservat” (reserva de la biosphera) dank der “hervorragenden Arbeit” des Ölförderers REPSOL erhalten bleiben werde.

Schliesslich, so verriet uns die charmante First Lady der UNESCO, sei es im Anspruch an diesen Ttel fest verankert, dass die wirtschaftliche Nutzung einer Region durch den Menschen vorangetrieben werde.

Zur Erinnerung ein Auszug aus Wikipedia:

Ein Biosphärenreservat ist eine im Allgemeinen von der UNESCO anerkannte Modellregion, in der nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht exemplarisch verwirklicht werden soll. Biosphärenreservate sind zwar auch Schutzgebiete, d.h. sie schützen die Biodiversität, die Vielfalt der Arten, der Ökosysteme, ihre Funktionen und die genetischen Ressourcen. Besonders ist, dass dieser Schutz vor allem auch durch wirtschaftliche Nutzung durch den Menschen erreicht werden soll. Alle Biosphärenreservate der UNESCO bilden ein globales Netzwerk für den Austausch von Wissen; sie sind somit besondere Bezugspunkte für Forschung, Umweltbeobachtung und Bildung. Mehrere Staaten definieren ihre Biosphärenreservate gesetzlich, in solchen Fällen können Biosphärenreservate zeitweise ohne UNESCO-Anerkennung existieren.

Etwas weniger Wohlstand für mehr Lebensqualität?

Kommentare und weitere Vorschläge erwünscht:

An dieser Stelle unter diesem Label werden ein paar mehr oder weniger wunderliche Vorschläge eingebracht, wie unsere wohlstandsverwöhnte Spezies sich von der Wohlstandsindustrie ein wenig abnabeln könnte.

 

Odenwaldregion führt Bettdeckenpflicht ein

Nun ist es amtlich.
Als erste autonome Region Deutschlands hat der Neckar-Odenwaldkreis ab Winter 2012 die umstrittene Bettdeckenpflicht flächendeckend eingeführt. Das Gesetz zur Mässigung des Energieverbrauches und schrittweisen Einschränkung des Wohlstandslevels verbietet demnach Öl- und Gasheizungen in privaten Haushalten und stellt die Bürger zwangsweise auf die “kollektive Nutzung der eigenen Körperwärme” um.
Es sei in den Zeiten der Energiekrise ein Unding, die eigene Körperwärme “zum Fenster herauszuwerfen”, wurde ein ranghohes Mitglied des Ausschusses “Fieber21″ zitiert.

Unklar ist weiterhin, ob der Kreis besondere Modelle kollektiver Nutzung von Körperwärme, beispielsweise in Swingerclubs, separat bezuschusst.

UPDATE: Ein weltweit bekannter Outdoor-Bekleidungskonzern (Jakob Wolfshaut) hat soeben bekannt gegeben, dass er fuer die notleidenden betroffenen Buerger des Neckar-Odenwald-Kreises im kommenden WInter 50.000 biologisch abbaubare und garantiert Tierquaelereifreie Daunenjacken kostenlos zur Verfuegung stellen wird.

Unklar ist noch, ob sich auch Magdalena Neuner an der Hilfsaktion beteiligt und 50.000 Paar Socken in den bayerischen Landesfarben strickt…

…und in der nächsten Ausgabe:
Nordrhein-Westfalen beginnt Show-Prozess gegen den Betreiber von Fitnessstudios wegen “mangelhafter Nutzung der abgegebenen Energie von Sport treibenden Mitgliedern”…

…stay tuned ;-)